Zahnwechsel beim Hund: Wenn Milchzähne nicht ausfallen wollen
Allgemein
October 18, 2026
Aus dem Welpen mit seinen kleinen, spitzen Milchzähnen wird nach und nach ein erwachsener Hund mit einem vollständig bleibenden Gebiss. Meist verläuft dieser Prozess problemlos: Die Milchzähne fallen aus und die bleibenden Zähne nehmen ihren Platz ein.
In unserer Praxis sehen wir jedoch immer wieder junge Hunde, bei denen genau das nicht ganz so reibungslos funktioniert. Einzelne Milchzähne bleiben bestehen, obwohl der entsprechende bleibende Zahn bereits durchbricht. Was auf den ersten Blick vielleicht nur nach „einem Zahn zu viel“ aussieht, kann für die Entwicklung des Gebisses durchaus problematisch werden.
Milchzähne – der erste Zahnsatz
Hunde und Katzen werden ohne Zähne geboren. Beim Hund beginnen die ersten Milchzähne etwa ab der dritten bis fünften Lebenswoche durchzubrechen. Das Milchgebiss besteht aus 28 Zähnen. Das bleibende Gebiss eines erwachsenen Hundes umfasst dagegen 42 Zähne.
Auch Katzen haben zunächst ein Milchgebiss, das später durch die bleibenden Zähne ersetzt wird. Die Milchzähne erfüllen während der Welpen- beziehungsweise Kittenzeit wichtige Aufgaben beim Fressen und Kauen und bereiten das Gebiss gleichzeitig auf den späteren Zahnwechsel vor.
Was passiert beim Zahnwechsel?
Beim Hund beginnt der Zahnwechsel meist im Alter von etwa drei bis vier Monaten. Die bleibenden Zähne entwickeln sich unter beziehungsweise neben den Milchzähnen. Beim Durchbruch des bleibenden Zahnes wird die Wurzel des Milchzahnes nach und nach abgebaut. Dadurch wird der Milchzahn locker und fällt aus.
Der bleibende Zahn kann anschließend seinen vorgesehenen Platz einnehmen. Mit etwa sechs bis sieben Monaten ist der Zahnwechsel bei den meisten Hunden abgeschlossen.
Gerade in dieser Zeit lohnt sich ein regelmäßiger Blick ins Maul. Viele Welpenhalter bemerken den Zahnwechsel zunächst gar nicht, weil die kleinen Milchzähne beim Spielen oder Fressen unbemerkt verloren gehen. Manchmal entdeckt man dagegen plötzlich einen bleibenden Zahn, der bereits durchgebrochen ist – und daneben steht noch der alte Milchzahn.
Wenn der Milchzahn einfach bleibt
Normalerweise sollte der Milchzahn ausfallen, bevor der bleibende Zahn seinen Platz einnimmt. Bleibt er bestehen, obwohl der bleibende Zahn bereits sichtbar ist, sprechen wir von einem persistierenden Milchzahn.
Besonders häufig beobachten wir dieses Problem bei den Fangzähnen. Kleinere Hunderassen sind davon häufiger betroffen, grundsätzlich kann es aber jeden Hund treffen.
Für den Besitzer sieht es häufig so aus, als hätte der Hund an einer Stelle einfach zwei Zähne. Genau dann sollte man genauer hinsehen.
Warum sind verbleibende Milchzähne problematisch?
Der zusätzliche Milchzahn nimmt Platz weg, den der bleibende Zahn für seine normale Entwicklung benötigt. Dadurch kann der bleibende Zahn verdrängt werden und in einer ungünstigen Position durchbrechen.
Besonders bei den Fangzähnen kann das Folgen haben: Ein falsch stehender Zahn kann beispielsweise gegen den Gaumen oder anderes Gewebe drücken und dort Schmerzen und Verletzungen verursachen.
Auch zwischen dem Milchzahn und dem bleibenden Zahn entsteht häufig eine sehr enge Nische. Dort sammeln sich leicht Futterreste und bakterielle Beläge. Das Zahnfleisch kann sich entzünden und langfristig kann auch der Zahnhalteapparat geschädigt werden.
Aus einem scheinbar kleinen Problem während des Zahnwechsels kann so eine dauerhafte Zahn- oder Bissproblematik entstehen.
Was können Sie als Besitzer selbst tun?
Das Wichtigste ist zunächst die regelmäßige Kontrolle. Gewöhnen Sie Ihren Welpen frühzeitig daran, dass Sie vorsichtig seine Lefzen anheben und einen Blick auf die Zähne werfen.
Wenn ein Milchzahn bereits locker ist, fällt er in der Regel von selbst aus. Altersgerechtes Kauspielzeug kann während des Zahnwechsels weiterhin angeboten werden. Auch das Zähneputzen lässt sich bereits im Welpenalter spielerisch trainieren.
Was Sie dagegen nicht tun sollten: einen fest sitzenden Milchzahn selbst herausziehen.
Auch wenn der Zahn scheinbar nur noch an einem kleinen Stück festhängt, können noch Teile der Wurzel vorhanden sein. Zudem liegt der sich entwickelnde bleibende Zahn unmittelbar daneben. Ein unsachgemäßes Herausziehen kann den bleibenden Zahn oder sein Zahnkeimgewebe verletzen.
Von Versuchen mit Zange, Faden oder ähnlichen Methoden raten wir deshalb ausdrücklich ab.
Wann sollte der Tierarzt draufschauen?
Eine einfache Faustregel lautet:
Sobald der bleibende Zahn sichtbar ist und der dazugehörige Milchzahn noch vorhanden ist, sollte das Gebiss kontrolliert werden.
Das gilt insbesondere, wenn zwei Fangzähne nebeneinander stehen.
Wir erleben in der Praxis immer wieder, dass zunächst einige Wochen abgewartet wird, weil man denkt: „Vielleicht fällt der Milchzahn ja noch aus.“ Das kann durchaus passieren – allerdings ist unnötiges Abwarten nicht immer sinnvoll. Der bleibende Zahn kann sich während dieser Zeit bereits in eine ungünstige Position entwickeln.
Bei einer Untersuchung können wir beurteilen, ob der Milchzahn tatsächlich noch ausfallen kann, wie der bleibende Zahn steht und ob bereits eine Fehlstellung oder Verletzung des Maulgewebes vorliegt.
Warum sollte der Milchzahn gezogen werden?
Ist der bleibende Zahn bereits durchgebrochen und der Milchzahn bleibt bestehen, ist es in der Regel sinnvoll, den Milchzahn zu entfernen. Dadurch bekommt der bleibende Zahn den notwendigen Platz und kann sich möglichst günstig in die Zahnreihe einordnen.
Der richtige Zeitpunkt ist dabei entscheidend. Bei einem jungen Hund befindet sich das Gebiss noch in der Entwicklung. Wird ein persistierender Milchzahn frühzeitig erkannt und entfernt, bestehen gute Möglichkeiten, eine ungünstige Zahnstellung oder einen daraus entstehenden Fehlbiss zu verhindern.
Die Entfernung selbst gehört in tierärztliche Hände. Milchzähne haben Wurzeln, die bei einer unsachgemäßen Entfernung abbrechen können. Vor allem muss darauf geachtet werden, den darunterliegenden bleibenden Zahn nicht zu beschädigen. Je nach Situation kann eine Narkose und gegebenenfalls eine dentale Röntgenaufnahme notwendig sein.
Unser Tipp für die Zahnwechsel-Zeit
Schauen Sie Ihrem Welpen während des Zahnwechsels regelmäßig ins Maul. Gerade zwischen dem dritten und siebten Lebensmonat lohnt sich besondere Aufmerksamkeit.
Wenn Sie einen bleibenden Zahn sehen und daneben noch der entsprechende Milchzahn steht, warten Sie nicht einfach ab – lassen Sie das Gebiss einmal kontrollieren.
Wir sehen häufig, dass sich Besitzer zunächst unsicher sind, ob ein Termin überhaupt notwendig ist. Im Zweifel ist eine kurze Kontrolle aber meist die bessere Entscheidung. Je früher wir eine problematische Zahnstellung erkennen, desto einfacher lässt sich darauf reagieren.
Denn beim Zahnwechsel geht es nicht nur darum, dass die Milchzähne verschwinden. Am Ende soll ein gesundes, funktionelles und möglichst schmerzfreies bleibendes Gebiss entstehen.
