Schildkröten in Deutschland
Allgemein
March 18, 2026
Wer in Deutschland eine Schildkröte entdeckt, ist oft überrascht. Noch vor wenigen Jahrzehnten galten die gepanzerten Tiere hierzulande als seltene Ausnahmeerscheinung. Heute jedoch werden Schildkröten immer häufiger in freier Natur gesichtet – an Seen, Flüssen oder sogar in Parks. Doch was steckt dahinter?
Welche Schildkrötenarten gibt es in Deutschland?
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen heimischen und nicht-heimischen Arten. Die einzige ursprünglich in Deutschland vorkommende Artist die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis). Sie war lange Zeit stark bedroht und in vielen Regionen verschwunden, wird jedoch inzwischen durch Schutzprojekte wieder angesiedelt.
Deutlich häufiger trifft man jedoch auf sogenannte Neozoen –also Tiere, die ursprünglich nicht hier heimisch waren. Dazu gehören vor allem:
- Rotwangen-Schmuckschildkröten
- Gelbwangen-Schmuckschildkröten
- Andere nordamerikanische Wasserschildkröten
Diese Arten wurden meist als Haustiere gehalten und später ausgesetzt, oft weil sie ihren Besitzern zu groß oder zu aufwendig wurden. Überraschenderweise kommen viele dieser Tiere inzwischen gut mit dem deutschen Klima zurecht, insbesondere in milden Regionen.
Wasser- und Landschildkröten – was ist der Unterschied?
Ein wichtiger Punkt ist der Unterschied zwischen Wasserschildkröten und Landschildkröten:
- Wasserschildkröten leben überwiegend im Wasser und halten sich in Seen, Teichen oder langsam fließenden Gewässern auf. Sie kommen nur zum Sonnen oder zur Eiablage an Land. Die meisten Schildkröten, die man in Deutschland draußen sieht, gehören zu dieser Gruppe.
- Landschildkröten hingegen leben ausschließlich an Land. Sie bevorzugen trockene, warme Lebensräume und sind in Deutschland in freier Natur kaum anzutreffen. Wenn man hier eine Landschildkröte entdeckt, handelt es sich fast immer um ein entlaufenes oder ausgesetztes Haustier.
Dieser Unterschied ist wichtig, um richtig einzuschätzen, ob ein Tier Hilfe benötigt oder nicht.
Werden Schildkröten in Deutschland heimisch?
Ja – zumindest teilweise. Durch den Klimawandel mitzunehmend wärmeren Sommern und milderen Wintern verbessern sich die Lebensbedingungen für viele Arten. Einige ausgesetzte Wasserschildkrötenüberleben nicht nur, sondern pflanzen sich auch erfolgreich fort.
Das führt dazu, dass Schildkröten in manchen Gebieten inzwischen ein fester Bestandteil der Tierwelt werden. Dennoch bleibt die Situation komplex, da nicht-heimische Arten Einfluss auf das ökologische Gleichgewicht haben können.
Was tun, wenn man eine Schildkröte findet?
Die wichtigste Regel lautet: Nicht sofort einsammeln!
Auch wenn es gut gemeint ist – viele gefundene Wasserschildkröten sind nicht hilflos, sondern leben bereits länger in der Natur. Ein Eingreifen ist nur in bestimmten Fällen sinnvoll:
- Wenn das Tier offensichtlich verletzt ist
- Wenn es sich an einem gefährlichen Ort befindet (z. B. auf einer Straße)
- Wenn es sich eindeutig um ein entlaufenes Haustier handelt – insbesondere bei Landschildkröten
In solchen Situationen kann man das Tier vorsichtig sichern.
In allen anderen Fällen gilt: Beobachten statt eingreifen. Schildkröten sind erstaunlich anpassungsfähig und kommen oft besser zurecht, als man denkt.
Verantwortung des Menschen
Ein großes Problem bleibt das Aussetzen von Haustieren. Es ist nicht nur gesetzlich verboten, sondern kann auch der Natur schaden. Wer eine Schildkröte hält, sollte sich im Vorfeld gut informieren – denn viele Arten können mehrere Jahrzehnte alt werden und benötigen viel Platz und Pflege.
