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Frisches Grün für Nager & Schildkröten – jetzt beginnt die Sammelzeit!

April 19, 2026

Für viele Nager und auch Schildkröten ist abwechslungsreiches Grünfutter nicht nur eine willkommene Bereicherung, sondern ein wichtiger Bestandteil einer artgerechten Ernährung. In unseren heimischen Wiesen, Gärten und an Waldrändern findet sich jetzt eine große Vielfalt an geeigneten Pflanzen: Besonders beliebt und gut geeignet sind Löwenzahn, Wegerich (Spitz- und Breitwegerich), Gänseblümchen, Vogelmiere, Kleearten, Hirtentäschel, Malve und Schafgarbe. Auch Brennnessel ist ein wertvolles Futter, sollte jedoch angewelkt oder getrocknet angeboten werden. Ergänzend können junge Blätter von Obstbäumen sowie von Haselnuss-, Himbeer- und Brombeersträuchern verfüttert werden. Ebenfalls sehr geschätzt und gut verträglich ist Giersch, der häufig in Gärten wächst und eine hervorragende Futterpflanze darstellt.

Beim Sammeln sollte darauf geachtet werden, möglichst unbelastete Standorte zu wählen. Ideal sind naturbelassene Wiesen, Waldränder oder der eigene Garten. Bereiche in Straßennähe, entlang stark frequentierter Wege oder auf intensiv bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen sollten hingegen gemieden werden, ebenso Orte, an denen viele Hunde unterwegs sind oder möglicherweise Pestizide eingesetzt wurden.

Die meisten Nager wie Kaninchen, Meerschweinchen oder Degus sowie viele Landschildkröten bevorzugen eine abwechslungsreiche Mischung verschiedener Pflanzen. Gerade diese Vielfalt ist entscheidend für eine ausgewogene Nährstoffversorgung und entspricht am ehesten dem natürlichen Fressverhalten der Tiere. Dennoch ist Vorsicht geboten, wenn frisches Grün neu auf dem Speiseplan steht: Tiere, die bisher überwiegend mit Heu oder Trockenfutter ernährt wurden, müssen langsam daran gewöhnt werden. Es empfiehlt sich, zunächst kleine Mengen zu füttern und diese über mehrere Tage hinweg zu steigern. Eine zu schnelle Umstellung oder zu große Mengen können den empfindlichen Verdauungstrakt überfordern und zu Durchfall oder Blähungen führen.

Neben den vielen Vorteilen gibt es auch einige Risiken, die beachtet werden sollten. Nicht alle Wildpflanzen sind ungiftig, und manche giftigen Arten sehen essbaren zum Verwechseln ähnlich. Daher gilt: Im Zweifel lieber auf das Sammeln verzichten. Auch sollte das Futter nicht nass oder verschmutzt verfüttert werden, da Feuchtigkeit und Verunreinigungen schnell zu gesundheitlichen Problemen führen können. Frisch gesammelte Kräuter bieten gegenüber handelsüblichen Futtermitteln zahlreiche Vorteile: Sie enthalten viele Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und einen hohen Anteil an Rohfasern, die für eine gesunde Verdauung unerlässlich sind. Zudem fördern sie durch ihre Vielfalt und Struktur die natürliche Beschäftigung der Tiere und kommen ihrer ursprünglichen Ernährung deutlich näher als viele Fertigmischungen.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass sich viele Kräuter problemlos für die kalte Jahreszeit haltbar machen lassen. Dazu werden die Pflanzen möglichst sauber gesammelt, locker ausgelegt oder zu kleinen Bündeln gebunden und an einem luftigen, schattigen Ort getrocknet. Direkte Sonneneinstrahlung sollte vermieden werden, um die wertvollen Inhaltsstoffe zu erhalten. Nach dem vollständigen Trocknen empfiehlt sich die Lagerung an einem kühlen, trockenen und lichtgeschützten Ort, beispielsweise in Papierbeuteln oder dunklen Gläsern. So steht auch im Winter eine gesunde Ergänzung zum Speiseplan zur Verfügung.

Wer beim Sammeln sorgfältig vorgeht und die Tiere behutsam an das frische Futter gewöhnt, kann ihre Ernährung auf einfache und natürliche Weise deutlich aufwerten und gleichzeitig für mehr Abwechslung und Wohlbefinden sorgen. Bei Unsicherheiten zur Auswahl geeigneter Pflanzen oder zur Fütterung beraten wir Sie in unserer Tierarztpraxis jederzeit gerne.